Was ist Agile? … oder: Wenn einer eine Reise tut

Grafik mit Kompass auf dem Ausschnitt einer Weltkarte liegend

Was ist Agile? … oder: Wenn einer eine Reise tut

Als Scrum gerade mal das Licht der Welt erblickt hatte, war Agile ziemlich klein. Es gab den Scrum Guide – nicht mal 20 Seiten – und kaum Sekundärliteratur. Kanban gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange, aber es wurde damals noch nicht unbedingt mit Agile in Verbindung gebracht.

Was ist nun Agile? Was ist der Kern von Agile?

Nach unserem Verständnis ist es die Kombination von

  1. die Zielrichtung kennen und aber nur
  2. auf Sichtweite planen

Was heißt das genau?

Das heißt, dass wir die genaue Zielkoordinate nicht zu kennen brauchen, wohl aber die Zielrichtung.

Analog dazu: Wir wissen, dass wir an die Ostsee wollen um dort Fischbrötchen zu essen. Wir wissen gegenwärtig aber noch nicht, ob das am Ende irgendwo in Dänemark, Deutschland oder Polen sein wird. Das ist aktuell auch noch gar nicht wichtig. Wir wissen, dass wir nach Norden fahren müssen.

Nachdem wir in München ansässig sind, wissen wir weiterhin, dass wir uns auf jeden Fall in Richtung Nürnberg bewegen müssen. Nürnberg ist unser erster Milestone; das steht fest. Leipzig, so meinen wir, könnte der nächste Milestone sein. Das entscheiden wir in Kürze.

Anmerkung: Ein Feature oder ein Objective könnte solch ein Milestone sein.

Analog dazu: Wir besteigen das Auto und nehmen die Karte zur Hand (ja, ich weiß, heute hat doch jedes Auto ein Navi). Wir konkretisieren die Wegstrecke, die wir fahren müssen, um nach Nürnberg zu kommen. Auf der A9 geht es zuerst nach Ingolstadt und dann weiter nach Greding. Hmmm, wollen wir einen Abstecher über das Altmühltal machen? Liegt auf der Strecke. Und dann das letzte Stück bis Nürnberg.

Anmerkung: In Scrum werden über sogenannte Refinements die Milestone konkretisiert. Es werden User Stories erstellt, die konkret darlegen was zu tun ist um den Milestone – das Feature / Objective – zu erreichen. Die Teilstrecken Ingolstadt, Greding und Nürnberg könnten User Stories der Prio 1 sein; Must be! Der Abstecher ins Altmühltal (liegt Richtung Eichstätt) wäre eine User Story der Prio 2; Nice to have.

Auf Sichtweite haben wir nun im Rahmen eines Refinements die Wegstrecke zur Erreichung unseres ersten Milestones – Nürnberg – geplant. Das setzen wir als nächstes um.

Analog dazu: Während wir auf dem Weg nach Nürnberg sind, unterhalten wir uns darüber, welchen Weg wir denn weiter nehmen und entscheiden uns weiter Richtung Leipzig zu fahren. Das ist Agile! Wir haben uns nicht von Anfang an auf das konkrete Ziel festgelegt und das kennen wir auch noch immer nicht. Wir fahren aber noch immer nach Norden. Ob es am Ende Dänemark, Deutschland oder Polen sein wird, wissen noch immer nicht. Braucht‘s auch noch gar nicht.

Ähnlich wie schon für den ersten Milestone (das war Nürnberg), legen wir Rahmen von Refinements die Wegstrecke nach Leipzig fest. Wir konkretisieren damit die Wegstrecke. Durch Bayreuth durch, an Jena vorbei. Vielleicht einen Abstecher nach Zwickau. Wir erinnern uns: Prio 1 und Prio 2.

Anmerkung: Und wieder haben wir auf Sichtweite geplant. Während wir auf dem Weg nach Nürnberg waren, hätte wir uns auch für Hannover entscheiden können. Haben wir aber nicht.  Das ist Agile! Mit der Umsetzung eines jeden weiteren Milestones kommen wir unserem Ziel näher und näher, auch wenn wir es bis dato noch immer nicht genau beschreiben können. Macht nichts; das ist Agile!

Eine graue Landkarte, auf der drei Ziele mit Nadeln markiert sind

Wenn Agile Release Trains (ARTs) ein Produkt oder eine Solution entwickeln, dann geht das oftmals über Jahre hinweg. In dieser Zeit werden der Markt und auch technologische Entwicklungen immer wieder Einfluss auf die (Weiter-) Entwicklung nehmen. Durch sie bedingt wird es morgen Milestones geben, die gestern – oder gar zu Beginn der Agile Transformation – noch gar nicht bekannt waren. Darauf trotzdem schnell und effizient reagieren zu können, ist Agile. Nicht an einem einmal vor langer Zeit festgelegten Plan festzuhalten, sondern sich flexibel den Gegebenheiten anzupassen.

Das sehen wir als den Kern von Agile.

Die Entwicklung von Produkten – respektive einer Lösung – nicht langfristig planen, sondern auf Sichtweite; gerade mal auf Länge eines Sprints oder eines PIs. Damit schnell auf Kundenwünsche und / oder sich ändernde Marktgegebenheiten reagieren können. Kunden besser in kurzen Abständen mit kleinen aber steten Verbesserungen am Produkt beglücken, als sie lange auf ein Ergebnis warten lassen, das dann unter Umständen gar nicht mehr zeitgemäß ist. Das ist für uns Agile.

Story Points, Fibonacci oder aber der Planning Poker sind mögliches “Beiwerk” von Agile, aber keinesfalls die wesentlichen Merkmale davon.

Ob Agile – so wie es gelebt wird – funktioniert, können wir übrigens am Zielerreichungsgrad ablesen.

Siehe dazu auch:

Sie benötigen Hilfe bei der Vermittlung des Kerns von Agile?

Sie benötigen Hilfe beim Advanced Backlog Management?

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Allgemein,Methode
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